Und welche Sprache sprichst Du?

Studierende miteinander vernetzen und ins Gespräch bringen - das ist das Ziel des Café-Lingua. Mehr dazu im Interview mit Luciano Oliveira.

Zur Person: Luciano Oliveira arbeitete von 2016 bis 2019 beim STUDIERENDENWERK, zunächst als studentische Hilfskraft, ab 2017 als Kulturreferent für das Café-Lingua. Der gebürtige Brasilianer spricht fließend fünf Sprachen. Die Arbeit in einem sinnstiftenden Umfeld und die Tätigkeit mit jungen und internationalen Studierenden machten für ihn den Wert seiner Tätigkeit im STUDIERENDENWERK aus.

Das Sprachcafé Café-Lingua wurde 2017 erstmals ins Leben gerufen. Seitdem wächst das Format kontinuierlich. Was ist das Ziel des Projekts?

Wir möchten mit dem Projekt das Miteinander und die Willkommenskultur am Campus fördern. Das Café-Lingua ist ein Ort der interkulturellen Begegnung, wo sich internationale und einmische Studierende ungezwungen austauschen können. Als Nebeneffekt werden Sprachkenntnisse trainiert.

An den Hochschulen bewegen sich zwar viele junge Menschen, doch oftmals ist es schwierig, Anschluss zu finden. Internationale Studierende haben es doppelt schwer. Es kann passieren, dass man sich in der anonymen Masse einsam und fremd fühlt. Dazu trägt auch die Bologna-Reform bei, durch die sich das Studierendenleben entscheidend gewandelt hat. Durch die Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem ist der Leistungsdruck gestiegen.

Außerdem pendeln im Ruhrgebiet viele Studierende zwischen Wohnort und Hochschule. Das hat Einfluss auf das studentische Leben am Campus. Durch den Andrang beim Café-Lingua merken wir, dass die Nachfrage nach solchen Formaten groß ist. Daher versuchen wir unser Angebot stetig auszuweiten – zum einen mehr Termine anzubieten, zum anderen all unsere Standorte abzudecken. Denn so mobil, wie die Studierenden wirken, sind sie in der Realität nicht immer.

Welche Sprachen sind besonders gefragt?

Wir haben ein buntes Sammelsurium an Sprachen. Aber in der Regel bieten wir pro Veranstaltung deutsche, englische, spanische und französische Sprachtische an. Mir ist immer wichtig zu betonen, dass aus der Begegnung heraus spontane Sprachinseln gebildet werden können. Das ist in der Vergangenheit bereits das ein oder andere Mal passiert.

Bewusst gestalten wir das Café-Lingua als ein offenes Format.Wir stellen fest, dass viele internationale Studierende ihre Deutschkenntnisse verbessern oder überhaupt einmal ins Sprechen kommen möchten. Das Studium läuft auf Englisch, Kontakte zu deutschen Mitstudierenden sind manchmal nur sporadisch vorhanden oder aus pragmatischen Gründen wird im Alltag eine andere Sprache, meist Englisch, gesprochen. Daher ist unser deutscher Ländertisch mit Abstand am meisten gefragt.

Sie selbst sind gebürtiger Brasilianer und haben Ihr Studium an der UDE erfolgreich abgeschlossen. Neben Portugiesisch sprechen Sie fließend Deutsch, Italienisch, Spanisch und Englisch. Was hat Ihnen beim Sprachenlernen geholfen?

Während meines Studiums habe ich gelernt, dass Sprachen viel mehr sind als nur reine Kommunikationsmittel. Sie beinhalten Geschichten, spiegeln Weltanschauungen und Denkweisen.

Im Deutschen z.B. kann man mit wenigen Worten viele Informationen vermitteln, während hingegen andere Sprachen dafür mehr Silben benötigen. Das fasziniert mich noch immer. Jede Sprache ist eine Bereicherung für mich und ein solches Verständnis spornt ungemein zum Lernen an!

Neben der Motivation ist es vor allem das Sprechen, der Austausch mit anderen, der mir geholfen hat, fließend in einzelnen Fremdsprachen zu werden. Schließlich lernt man eine Sprache nicht, in dem man stundenlang vor Vokabeln und Grammatikregeln sitzt. Im gemeinsamen Austausch kann man sich nicht nur unterstützen, sondern es macht auch einfach mehr Spaß. Das können unsere Gäste im Café-Lingua nur bestätigen!

Viele Studierende haben eine Hemmschwelle, in einer Fremdsprache zu kommunizieren. Wie kann man sie überwinden?

Das Problem kenne ich nur zu gut. Diese Hemmschwellen hatte ich auch. Aus Angst sich möglicherweise zu blamieren, traut man sich nicht, sein neues Sprachwissen zu testen. Leider (oder auch zum Glück) lassen sich Sprachen, außer Latein und Altgriechisch, nicht ohne das Sprechen lernen.

Ich kann nur jeder Studierenden und jedem Studierenden raten: Versucht Eure Angst zu überwinden! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen sehr positiv reagieren, wenn sie merken, dass jemand Interesse an ihrer Sprache zeigt. Letztlich stört es niemanden, wenn Vokabeln und Grammatik nicht immer akkurat sind. Das muss man sich immer wieder klar machen. Außerdem hat es mir geholfen, mich bewusst in solche Situationen zu begeben, in denen ich sprechen musste.

Unterstützt wird das Sprachcafé durch Kooperationspartner der Hochschulen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

An dieser Stelle möchte ich erst einmal ein großes Dankeschön an unsere Kooperationspartner loswerden. Ohne die Unterstützung des Instituts für Optionale Studien (IOS) sowie dem Tutoren Service Center (TSC) der UDE, dem Konfuzius Institut Metropole Ruhr und dem AStA der Folkwang Universität der Künste wäre unser Sprachcafé sicherlich nicht so erfolgreich und beliebt bei Studierenden. Der AStA der Folkwang Universität stellt z.B. Räumlichkeiten zur Verfügung, das IOS unterstützt bei der Suche nach Language-Guides und das TSC rührt fleißig die Werbetrommel bei neuen und internationalen Studierenden.

Was uns alle eint und die Zusammenarbeit so produktiv macht, ist unser Ziel: Studierende miteinander zu vernetzen und ins Gespräch zu bringen.