Das Rundum-Paket für studierende Eltern

Sandra Breuer, Bereichsleiterin Studium mit Kind, über die besonderen Bedarfe studierender Eltern.

Interview mit der Abteilungsleiterin Studium mit Kind Sandra Breuer

Zur Person: Sandra Breuer, ausgebildete Erzieherin, hat vor ihrer Tätigkeit im STUDIERENDENWERK bei unterschiedlichen Trägern gearbeitet. Nach 25 Jahren als Erzieherin hatte sie Lust auf eine neue Herausforderung und ergriff im Jahr 2014 die Chance, Leiterin des Bereichs Studium mit Kind im STUDIERENDENWERK zu werden. Was sie an ihrem Job besonders schätzt, ist die Vielfältigkeit ihrer Aufgaben, den intensiven Kontakt zu Studierenden und ihren Kolleginnen und Kollegen. Neben der Schreibtischarbeit besucht sie regelmäßig die Kitas und Tagespflegen, um immer nah am Tagesgeschehen zu bleiben.

Für Studierende mit Kind ist die Frage nach der Kinderbetreuung zentral. Eltern und/ oder Großeltern können nicht jeden Tag auf den oder die Kleine aufpassen. Vor und nach Seminaren muss gelernt werden. Was muss eine Kinderbetreuung für studierende Eltern leisten?

Was die Studierenden vor allem benötigen, ist Verlässlichkeit. Für studierende Eltern ist es beispielsweise ein echter Notfall, wenn die Kita einmal geschlossen hat. Außerdem ist Individualität gefragt. Wir müssen auf die verschiedensten Bedürfnisse eingehen und uns auf unterschiedliche Kulturen einstellen, da unsere Hochschulen sehr international aufgestellt sind.

Besonders wichtig ist für uns die Informationsarbeit. Viele Studierende erwarten, dass sie durch ihre Immatrikulation automatisch auch einen Betreuungsplatz für ihr Kind erhalten. Wir erklären dann, wie die Anmeldung bei uns funktioniert und versuchen die Studierenden auch zu unterstützen, wenn wir keinen Platz frei haben.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, da mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) jedes Kind im Alter von einem Lebensjahr einen rechtlichen Anspruch auf einen Kita-Platz hat. Doch es sind bundesweit zu wenige Plätze da. Diesen Mangel merken auch studierende Eltern.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Kita und einer Tagespflege?

Die Tagespflege geht auf die ursprüngliche Form der Kinderbetreuung durch eine Tagesmutter zurück. Wie es der Begriff bereits sagt, waren dies meist Mütter, die zu ihrem Kind noch zwei oder drei Kinder hinzugenommen und betreut haben – jedoch ohne eine besondere Qualifizierung. Vor einigen Jahren ist man dazu übergegangen, die Tagespflege durch Qualifizierungsmaßnahmen aufzuwerten und dadurch weitere Betreuungsplätze zu schaffen. Im Unterschied zur Kita ist es bei der Tagespflege jedoch so, dass die Betreuungsplätze auf den Namen der Tagespflegeperson zugelassen werden. Nur diese Person darf sich um die Kinder kümmern. Inzwischen gibt es jedoch Vertretungsmodelle, die über Fachverbände geregelt werden.

Wir im STUDIERENDENWERK haben die Tagespflege institutionalisiert. Die Tagespflegepersonen sind bei uns angestellt. Die Tagespflege ist kleiner und familiärer als eine Kita. Viele Eltern finden das sehr schön. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Kinder in den Kitas älter sind. Dort werden Kinder von vier Monaten bis zum Schuleintritt betreut. In der Tagespflege hingegen sind Kinder von vier Monaten bis drei Jahren. Danach müssen sie in eine Kita wechseln. Das geht bei uns jedoch meist innerhalb unserer Einrichtungen.

Sicherlich haben junge Eltern viele Fragen und Sorgen. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Betreuerinnen, Betreuern und Eltern aus?

Für viele Eltern sind wir die allererste Anlaufstelle. Vor allem für die Studierenden, die kein eigenes familiäres Netzwerk vor Ort haben und neu ins Ruhrgebiet gezogen sind. Oft werden wir sogar mit Fragen konfrontiert, die gar nicht die Kinder betreffen. Ich muss immer wieder an das Beispiel mit dem Autokauf denken. In diesem Fall wollte sich ein Studierender gerne ein Auto kaufen – er hatte Fragen zur Versicherung.

Auch beim Thema Jobsuche wird vieles mit uns verhandelt. Soll ich den Job annehmen? Kann ich Beruf und Familie managen? Oft begegnen uns partnerschaftliche Themen. Wenn unterschiedliche Erziehungsansichten vorliegen, versuchen wir im Sinne des Kindes zu vermitteln. Im Grunde bieten wir ein Rundum-Paket.

Immer mehr Studierende hadern mit dem hohen Leistungsdruck im Studium. Beobachten Sie einen steigenden Druck auf Erzieherinnen und Erzieher durch verunsicherte und gestresste Eltern, die alles perfekt machen möchten?

Wir haben häufig mit Extremen zu tun. Entweder sind die Eltern sehr besorgt, behüten das Kind und wollen sich für jede Eventualität wappnen. Oder es gibt die andere Seite, wo wir gegensteuern müssen. Bei den Themen Kleidung, Körperpflege und Ernährung gibt es viel Unterstützungsbedarf. Dabei ist es schön zu merken, dass die Eltern ein großes Vertrauen in unser Personal haben und sehr dankbar für die Unterstützung sind.